Ziele und Strategien nachhaltiger Führung (S01E02)

Herzlich Willkommen zu meinem Podcast „Nachhaltig Führen“! Möchten auch Sie als junge oder erfahrene Führungskraft zukünftig noch wirksamer und zufriedener – und dadurch auch nachhaltig erfolgreicher – sein? Dann finden Sie in diesem Podcast Inspirationen, Impulse und konkrete Ideen für Ihre tägliche Führungsarbeit.

Ironically, probably more has been written, and less is known about leadership than about any other topic in the behavioral sciences.

Warren G. Bennis
Die 2. Episode dient dazu, genau zu definieren, was Nachhaltige Führung eigentlich bedeutet. Neben einer konkreten Definition möchte ich Ihnen auch zeigen, welche Ziele Nachhaltige Führung verfolgt und welche Strategien Sie als Führungskraft nutzen können, damit Sie noch wirksamer, zufriedener und erfolgreicher werden.

Hier können Sie die aktuelle Episode abspielen:


Was genau ist Führung eigentlich?

Um zu verstehen, was nachhaltige Führung ist, ist es wichtig, dass wir uns Gedanken darüber machen, was genau „Führung“ überhaupt ist. Neben diesem Verständnis von Führung sind für mich folgende weitere Aspekte wichtig, um eine „gute“ Führungskraft zu werden:

  • eine sinnvolle eigene Haltung – ein „Mindset“ zum Thema Führung
  • ein konsequentes, respektvolles und konsistentes Führungsverhalten
  • die Fähigkeit, situativ passend einen richtigen Führungsstil zu wählen und
  • ein hinreichendes Repertoire an Techniken für die konkrete Gesprächsführung, das sie sicher beherrschen und anwenden können

Das bringt uns zu einer wichtigen Unterscheidung – der zwischen Führungsverhalten und Führungsstil. Unter Führungsverhalten verstehe ich das zeitlich überdauernde und konsistente Verhalten einer Führungskraft, das – je nach Umgebung und Kontext – natürlich leicht variieren kann, aber bei einer „guten“ Führungskraft in demselben Kontext konsistent sein wird. Der Führungsstil jedoch kann je nach Situation durchaus stark variieren – mal führe ich eher konsequent über Anweisung, mal eher kooperativ, mal ist es wichtiger, sich sehr empathisch mit der Motivation der Mitarbeiter auseinanderzusetzen – kurzum: In Abhängigkeit von einigen situativen Faktoren, die wir uns in einer späteren Episode noch näher ansehen werden, kann der Führungsstil stark variieren.

Um zu präzisieren, was „Nachhaltige Führung“ ist, ist es nun erst einmal wichtig zu verstehen, was „Führung“ eigentlich ist. Hierzu möchte ich 4 Thesen aufstellen:

  1. Führung ist notwendig, weil Zusammenarbeit in Unternehmen organisiert und koordiniert, also gesteuert werden muss.
  2. Führung ist universell, weil sie über den rein fachlichen Teil hinausgeht.
  3. Führung ist immer am Ergebnis orientiert, das durch Ziele vorgegeben wird.
  4. Führung ist keine Einbahnstraße – daher ist der Erfolg stets von der Zusammenarbeit zwischen Führungskraft und Mitarbeiter abhängig.

Wenn wir diese Thesen zusammenfassen und auch einmal einen Blick auf unterschiedliche Definitionen in der Literatur werfen, dann kommen wir zu einer Definition von Führung, die lautet: „Führung ist zielorientierte Verhaltenssteuerung“. Wichtig ist: Verhaltenssteuerung hat nichts mit Manipulation zu tun, sondern es geht um Ziele, die der Mitarbeiter annehmen und zu denen er sich „committen“ kann. Ehrlich gesagt bin ich mit dieser Definition immer weniger zufrieden… Ich frage mich nämlich zunehmend, ob in der modernen Arbeitswelt der Aspekt der Steuerung noch mit der Führung von Menschen vereinbar ist. Daher möchte ich Ihnen meine weiterentwickelte Definition von Führung anbieten:

Führung bedeutet, Zeit in Menschen zu investieren, um gemeinsame Ziele zu erreichen, auf dem Weg dorthin  Entscheidungen zu treffen und die dafür notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen.

Was ist jetzt der unterschied zwischen Führung und Nachhaltiger Führung? Ich denke, dass der Unterschied darin liegt, welche Ziele konkret verfolgt werden. Wir hatten bereits in der 1. Episode gesagt, dass Führung immer 2 zentrale Ziele verfolgt: Leistung und Zufriedenheit. Leistung hatten wir als eher unternehmensbezogenes Ziel verstanden, Zufriedenheit als mitarbeiterbezogenes Ziel. Beides kann auch für nachhaltige Führung gelten – jedoch müssen die klassischen Erfolgskriterien der Führung sinnvoll erweitert werden, um zu erklären, was den Aspekt der Nachhaltigkeit in der Führung ausmacht. In der Führungstheorie werden drei Aspekte beschrieben, an denen Führungserfolg beurteilt wird:

  1. Zufriedenheit als mitarbeiterorientiertes Ergebnis von Führung,
  2. die leistungs- und damit unternehmensbezogene Effektivität von Führung i. S. e. Zielerreichung und
  3. die Anstrengung bzw. Leistungsbereitschaft als wichtige Voraussetzung für den Führungserfolg.

Ich denke, dass folgende Erweiterung des bisherigen Führungsbegriffs notwendig ist, um „Nachhaltig“ zu führen. Und zwar um die drei Aspekte Leistungsfähigkeit, Effizienz und Fairness.

Als Voraussetzung für erfolgreiche Führung ist neben der Leistungsbereitschaft vor allem auch die langfristige Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter und der Organisation wichtig. Dies bedeutet, dass Mitarbeiter zum einen Ihren Akku auch wieder aufladen können und nicht permanent im „roten“ Bereich unterwegs sind. Ein schönes Bild, um dies zu illustrieren ist die persönliche Leistungskurve.

leistungskurve

In der Führung gilt: Halten Sie sich selbst und auch Ihre Mitarbeiter immer in einem gesunden Bereich der Stretchingzone. Das schwierige dabei ist jedoch: Die Grenzen, die wir gerade gemeinsam gezogen haben, verlaufen bei jedem Mitarbeiter anders! Jeder Mensch hat ein sehr individuelles Stressempfinden und – je nach individuellen Stärken – eine sehr unterschiedliche Leistungsfähigkeit. Gleichzeitig bedeutet Leistungsfähigkeit zu erhalten und zu steigern auch, sich um die langfristige Entwicklung der Mitarbeiter zu kümmern und dafür Sorge zu tragen, dass die Mitarbeiter dem Unternehmen auch langfristig erhalten bleiben. Eine geringe Fluktuation der Leistungsträger wird somit zu einer zentralen Säule nachhaltiger Führungsarbeit – und rückt somit auch den Aspekt der Zufriedenheit noch stärker in den Mittelpunkt.

In Bezug auf die Wirksamkeit der Führung ist m. E. neben der Effektivität auch die Effizienz der Führung entscheidend. Effektivität beschreibt den Output im Verhältnis zum angestrebten Ziel, während Effizienz den Output im Verhältnis zum investierten Input beschreibt. Das bedeutet, dass es für Sie als Führungskraft wichtig ist, sich die Stärken und auch die individuelle Motivationsstruktur Ihrer Mitarbeiter gut zu kennen. Denn Mitarbeiter können eine Aufgaben vor allem dann effizient ausführen – und effektiv sowieso-, wenn sie die hierfür erforderlichen Kompetenzen mitbringen und auch motiviert sind, diese Aufgabe zu übernehmen. Daher ist es für Sie im Führungsalltag essentiell, sich Gedanken um diese beiden Aspekte zu machen – es gilt: „wer Menschen beschäftigt, muss sich mit Menschen beschäftigen“.

Bei den mitarbeiterbezogenen Ergebnissen von Führung sollte m. E. nicht nur der Zufriedenheit, sondern auch der vom Mitarbeiter wahrgenommenen Fairness eine wichtige Rolle zukommen. Fairness kann sich dabei auf 3 Aspekte beziehen: 1. auf die Resultate, sprich: ist das, was der Mitarbeiter für seine Arbeit erhält, fair? 2. auf den Prozess, sprich: Wird der Mitarbeiter im Prozess ausreichend eingebunden und hat er die Möglichkeit sich einzubringen? sowie 3. auf die Interaktion zwischen Führungskraft und Mitarbeiter und zwar i. S. e. einer sinnvollen, transparenten Informationspolitik sowie eines respektvollen Umgangs.

Zudem umfasst der nachhaltige Führungsansatz 4 Strategien, die Sie als Führungskraft verfolgen können, um in der Praxis noch nachhaltiger zu führen.

  1. Suffizienz-Strategie („Genügsamkeit“): Life-Balance, Resilienz und Selbstwirksamkeit des Mitarbeiters durch eine gute Balance von Leistung und Zufriedenheit sowie Feedback gezielt fördern
  2. Konsistenz-Strategie: authentisches Auftreten (eigene Werte kommunizieren und glaubhaft vorleben), transparent und nachvollziehbar führen und deutlich machen, weshalb Mitarbeiter mit unterschiedlichem „Reifegrad“ unterschiedlich geführt werden
  3. Innovations- & Effizienz-Strategie: Agilität sowie eine Lern- und Experimentierkultur fördern und persönliche Entwicklung ermöglichen; bisherige Vorgehensweisen hinterfragen, anpassen und Zeit zur Umsetzung und Verstetigung einräumen
  4. Partizipations-Strategie: Mitarbeiter konsequent in Entscheidungs- und Umsetzungsprozesse einbinden und – insb. in Veränderungs- und Überzeugungsprozessen – „mitnehmen“, von den Mitarbeitern entwickelte Ideen aufgreifen und wertschätzen, Vernetzung der Mitarbeiter untereinander ermöglichen und fördern

Diese Strategien stellen ein grundlegendes Mindset da, die das Verhalten einer nachhaltigen Führungskraft prägen. Daher möchte ich in den folgenden Episoden eher indirekt auf diese Aspekte eingehen und mit Ihnen, wie erwähnt, eher über dieses konkrete Führungsverhalten und die entsprechenden Führungsstile sowie über praktische Methoden und Techniken sprechen. Diese möchte ich Ihnen gerne an die Hand geben, damit Sie damit sich und Ihre Mitarbeiter noch wirksamer, zufriedener und nachhaltig erfolgreicher machen können.


Ich freue mich, wenn ich Ihnen ein paar Inspirationen, Ideen und Impulse für Ihre tägliche Führungsarbeit geben konnte. Schreiben Sie mir gerne eine Rezension oder geben Sie mir eine Bewertung auf iTunes und senden Sie mir Ihr Feedback über die Kommentarfunktion zu diesem Blog-Eintrag oder auf Twitter unter @FuehrNachhaltig.

Bleiben Sie wirksam, bleiben Sie nachhaltig – und bleiben Sie dran…!


weiterführende Links aus dieser Episode

Ein Gedanke zu “Ziele und Strategien nachhaltiger Führung (S01E02)

  1. Pingback: Situative Führung: Wie wähle ich den „passenden“ Führungsstil? (S01E07) – Nachhaltig Führen

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