Interview mit Markus Brand über Motivation und das Reiss Motivations-Profil (S01E08)

Herzlich Willkommen zu meinem Podcast „Nachhaltig Führen“! Möchten auch Sie als junge oder erfahrene Führungskraft zukünftig noch wirksamer und zufriedener – und dadurch auch nachhaltig erfolgreicher – sein? Dann finden Sie in diesem Podcast Inspirationen, Impulse und konkrete Ideen für Ihre tägliche Führungsarbeit.

Führen ist vor allem das Vermeiden von Demotivation

Reinhard K. Sprenger

In dieser Episode spreche ich mit dem Trainer, Coach und Autor Markus Brand über das Thema Motivation. Mit dem „Reiss Motivations-Profil“ reden wir über ein konkretes Tool, das Ihnen dabei hilft, „Dirigent des eigenen Lebens“ zu sein und Ihre Mitarbeiter individueller führen zu können.

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Hier können Sie die aktuelle Episode abspielen:


Was ist eigentlich Motivation und welche Rolle spielt sie in den Bereichen Selbstmanagement und Führung?

Motivation kommt vom lateinischen Wort „movere“ und bedeutet so viel wie „sich bewegen“ – darin kommt bereits die intrinsische Bedeutung unserer Motive (als Beweggründe) zum Ausdruck. Es geht darum, sich selbst zu bewegen – und nicht andere, was eine wichtige Konsequenz für die Führung hat! In der Führung ist es demnach wichtig, die Motive der Mitarbeiter zu kennen, damit ich die Arbeits- und Rahmenbedingungen so gestalten kann, dass die Mitarbeiter ihre persönlich Motivation bestmöglich in die eigene Tätigkeit einbringen können.

Gerade im Bereich der Situativen Führung ist es wichtig, die individuelle Motivation der Mitarbeiter zu kennen, um neben dem „Können“ auch das „Wollen“ der Mitarbeiter gezielt einschätzen zu können. Da Führung auf ein bestimmtes Verhalten der Mitarbeiter abzielt und Verhalten durch Motivation mitbestimmt wird, sollten Führungskräfte daher die zentralen Rahmenbedingungen so gestalten und ggf. Anreize setzen, die den individuellen Bedürfnissen der Mitarbeiter entsprechen – und dabei in keinem Fall von ihrer eigenen Motivation auf die der Mitarbeiter schließen.

Unsere Motive können demnach auch unser Verhalten bestimmen – sie müssen es jedoch nicht zwangsläufig. Gleichzeitig gilt: Wenn sie ihre persönlichen Motive nicht „ausleben“ können, sind Menschen häufig unglücklich. Dabei ist es auch wichtig, die Motivation (Beweggründe) von der Volition (Willensstärke) zu unterscheiden. Die Volition wird dabei häufig durch extrinsische Ziele bestimmt, während die Motivation auf eigenen intrinsischen Beweggründen basiert. Orientieren sich Menschen zu stark an diesen externen Antreibern, fühlen sie sich oft gestresst und unzufrieden, da sie dadurch ihre eigene Motivation nicht bedienen können. Umgekehrt stellt sich häufig ein „Flow“-Gefühl ein, wenn beide Bereiche gut zusammenpassen. Für Selbstmanagement und Führung heißt das demnach, dass es wichtig ist, die eigenen Bedürfnisse gut zu kennen und darauf zu achten, dass die Ziele und Rahmenbedingungen zur eigenen Motivation passen. Dann entsteht auch so etwas wie „Werteglück“ als Passung zwischen Werten und dem eigenen Leben – in Abgrenzung zum „Wohlfühlglück“ als kurzfristigem Zustand.

Das Reiss Motivation-Profil als „Gebrauchsanweisung“ des Menschen

Bis in die 90er Jahre zielten Motivationstypologien wie bspw. die Bedürfnispyramide von Abraham Maslow darauf ab, die Menschen in Ihrer Gesamtheit zu erfassen. Das Motivations-Profil von Stephen Reiss, der lange als Professor an der Ohio State University gelehrt und geforscht hat, setzt jedoch darauf, die individuellen Unterschiede zwischen einzelnen Menschen herauszuarbeiten. Denn nur so ist eine sinnvolle Verbindung von persönlichen Bedürfnissen und individuellem Verhalten möglich. Dabei entwickelte Reiss mit dem Motivations-Profil ein Set von 16 grundlegenden Lebensmotiven, die wir alle in jeweils unterschiedlicher Ausprägung in uns tragen. Wichtig ist, dass das Reiss Motivations-Profil kein Verhalten misst – sondern lediglich die grundlegenden Bedürfnisse erfasst.

Um die einzelnen Motive noch besser verstehen zu können, sprechen wir im Podcast über mein eigenes Profil, das Sie nachfolgend finden – dabei reden wir insb. über zentrale Motive, die für die Führung und Selbstführung wichtig sind. Eine ergänzende Beschreibung der 16 Lebensmotive finden Sie hier.

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Die Auswertungsgrafik des Reiss Motivations-Profils setzt dabei die eigenen Motivausprägungen in Beziehung zu einer Grundgesamtheit von über 100.000 Vergleichsprofilen. Die Skala stellt daher eine Verteilung ähnlich einer Glockenkurve da, sodass eine Ausprägung um den Mittelwert bedeutet, dass die eigene Ausprägung sehr stark dem Durchschnitt der Vergleichsgruppe entspricht (insb. bei Ziel-/Zweckorientierung, Familie und Beziehungen). Motive, die wie bspw. Neugier oder Macht über einen hohen Wert verfügen sind dementsprechend deutlich stärker ausgeprägt als bei anderen Menschen. Dabei ist wichtig, dass man in beide Richtungen von einer starken Ausprägung sprechen kann! Während bspw. Rache/Kampf in der Ausprägung in Richtung -2 für eine gewisse Harmonieorientierung spricht, bedeutet eine Ausprägung in Richtung +2 eine hohe Wettkampforientierung. Daher ist es nicht sinnvoll, die persönliche Ausprägung aller Motive im Sinne von „gut oder schlecht“ zu bewerten. Es geht eher darum, die eigene Ausprägung zu kennen und dafür zu sorgen, dass die äußeren Umstände bestmöglich zu dieser Bedürfniskombination passen. So verstanden wird das Reiss Motivations-Profil zu einer „Gebrauchsanweisung“ oder auch einer Partitur, um der Dirigent des eigenen Lebens zu werden.

Im Motivations-Profil den präferierten Führungsstil erkennen

Persönlich fand ich insbesondere noch den Gedanken spannend, aus dem Profil den präferierten eigenen Führungsstil ableiten zu können. Eine ungefähre Zuordnung zu den in der letzten Episode zum Thema „Situative Führung“ besprochenen Stilen bietet die folgende Abbildung:

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Abschließend noch zwei Gedanken zur Nutzung des Reiss Motivations-Profils für die Selbstführung sowie den Umgang mit anderen Menschen:

  • Erkenne, liebe und lebe deine eigenen Motive – nicht: Erkenne und verändere sie!
  • Zeige anderen gegenüber mit mehr Respekt und Toleranz für Andersartigkeit!

Ich freue mich, wenn ich Ihnen ein paar Inspirationen, Ideen und Impulse für Ihre tägliche Führungsarbeit geben konnte. Schreiben Sie mir gerne eine Rezension oder geben Sie mir eine Bewertung auf iTunes und senden Sie mir Ihr Feedback über die Kommentarfunktion zu diesem Blog-Eintrag oder auf Twitter unter @FuehrNachhaltig.

Bleiben Sie wirksam, bleiben Sie nachhaltig – und bleiben Sie dran…!


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